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Kistenbau -die Zweite-


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Kurzmitteilung

Eine Einladung

Reisebericht – Abend

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Wir laden herzlich ein zu unserem

Reisebericht-Abend am 01.08.2015

in der Jurte der Wegemacherei in Windach am Ammersee. Wir nehmen euch mit auf die Reise und lassen die schönsten, schaurigsten, und intensivsten Momente mit euch Revue passieren. Auch eine kleine Fotoausstellung wird es geben. Ab 15 Uhr zu Kaffee und Kuchen. Wir freuen uns über einen Beitrag zum Kuchen-Buffet. Für eine genauere Wegbeschreibung bitte nachfragen!

Reiseroute im Rückblick

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We are back!!!!

Nach 30.000 km, einmal Indien und zurück, sind die Kiste und wir wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen!! Nachdem wir in Slowenien bereits die ersten bekannten Gesichter getroffen haben (Claudi und Matze sind mit ihrem VW im Balkan unterwegs), und dann noch den letzten Ersatzreifen aufgezogen haben, waren wir letztendlich auch frohen Mutes angesichts der näherrückenden Heimat. Wie’s wohl wird?

Wir sind erstmal in Bayern, vor allem bei meiner Familie Rund um Rosenheim, und bei Freunden am Ammersee. Ein Wochenende in nördlicheren Gefilden war auch schon drin, die German Hoop Convention lockte nach Hannover. Quasi von der Straße in Hoop, was für ein Event!

IMG_7418Fest steht: im Grunde geht die Reise immer weiter. Und es gibt einiges zu tun.

Der TÜV steht im September an. Bis dahin hat sich ein guter Deal aufgetan: die Oldtimergarage Hauke Thiessen bei Landsberg a. L. bekommt einen Carport, und dafür gehts dem Rost an der Fahrerkabine an den Kragen. Neue Kotflügel sind auch drin, die haben es dringend nötig. Sowieso erwartet die Kiste im Laufe des Winters eine Rundumerneuerung. Auch eine Wohnraumvergrößerung ist für den Winter geplant, ein Anhänger mit Klo & Dusche sozusagen. Und es gibt einen ersten „Kisten-Bauauftrag“. Und noch so manches mehr… es bleibt spannend.

PS: Ich bin immer noch nicht mobil zu erreichen -mein Handy, das mich genau zehn Jahre lang begleitete, ist vermutlich in Nepal geblieben- eine SIM-Karte und ein „antikes“ Ersatzgerät sind beim Universum bestellt!

Mazedonien: Ein Tag im Flüchtlingsstrom

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Zu Fuss nach Deutschland

Nur zwei Tage sind wir in Griechenland, auf dem Weg zurück von Indien nach Deutschland. Unser nächstes Ziel ist Mazedonien, dann weiter nach Serbien. Es ist elf Uhr vormittags und die Sonne brennt schonungslos auf den Asphalt. Dreißig Kilometer vor der Grenze nehmen wir vier Anhalter vom Seitenstreifen mit. Sie werfen ihre Rucksäcke auf die Rückbank unserer Doppelkabine und bedanken sich vielmals. Erschöpft und müde wirken sie.

Sie kommen aus Syrien, und wollen nach Polikastro, einem Ort ca. 30 Kilometer vor der Grenze. Als sie, einige Kilometer später, etwas mehr vertrauen in uns haben, erklären sie, dass sie eigentlich zu einem Hotel in Evzonoi wollen, in unmittelbarer Grenznähe. Dort treffen sie sich mit anderen, um noch in der selben Nacht, im Schutze der Dunkelheit, durch die Wälder über die Grenze zu gelangen.

Prompt wird unser Blick für die Situation um uns herum wacher: Die „Wanderer“ auf dem Fußweg zehn Meter neben der Fahrbahn, Gruppe hinter Gruppe, alle mit kleinem Rucksack, Decke oder Schlafsack ausgerüstet, sind ebenso Geflüchtete. „All Syrians?“ „Yes, most, some Afghanis, Pakistanis, and Africans, too“, erfahren wir. „all going to Europe: Germany, Sweden, France,…“. Sie zeigen uns ihre griechische Flüchtlingsregistrierung, ein zusammengefaltetes DIN-A-4-Papier mit ihren Daten, Foto und einer halben Seite Fließtext, den weder sie noch wir lesen können. Andere Dokumente haben sie nicht dabei.

Sie kommen aus Damaskus, Aleppo und Daraa. Einer der Männer zeigt mir auf seinem Handy Fotos von seinen drei Kindern, die er in Syrien zurückgelassen hat. Als ihm die Tränen in die Augen steigen, setzt er seine Sonnenbrille auf und wendet sich ab. Die Sprachbarriere ist zu groß, über ein paar Brocken Arabisch und Englisch kommen wir nicht hinaus, ein wenig hilft das Sprachprogramm auf ihren Smartphones. Hunderte Fragen bleiben jedoch offen.

Wir nähern uns Evzonoi, über die Handys verfolgen sie genau den Weg. Das kleine Hotel zu dem wir sie fahren, liegt verlassen an einer Seitenstraße, neben einer Tankstelle und einem Minimarkt. Schon von weitem erkennen wir, dass sich um einen Treffpunkt handelt. Wir fahren auf den Vorplatz und verabschieden uns von unseren kurzeitigen Mitreisenden, die sich überschwänglich bedanken. Geschätzt befinden sich etwa einhundert Menschen auf dem Vorplatz des Hotels. Neben uns stehen Zelte, daneben mehrere Menschen im Schlafsäcken, oder auf Matten liegend. Die meisten sind junge Männer, vereinzelt Jugendliche, wenige Frauen, ein paar wenige mit Kindern. Ein Campingkocher. Erschöpfte, ratlose Gesichter. Die Schattenplätze rund um den Platz sind rar und dicht belegt. Neuankömmlinge werden von Bekannten, Verwandten umarmt, es werden aufgeregt Infos ausgetauscht. Ansonsten ist es bedrückend ruhig für so viele Menschen an einem Ort. Die meisten schlafen oder ruhen sich von dem langen Fussmarsch aus. Unter dem Vordach der Hotelterrasse wird Kartengespielt, um sich die Zeit zu vertreiben, bis es Dunkel wird.

Langsam bildet sich eine Menschentraube um die Kiste, und wir nutzen die Gelegenheit mehr zu erfahren. Unsere Herkunft bleibt nicht unerkannt: „Ihr fahrt nach Deutschland? Wir auch!“ sagen sie, mit einem Lächeln im Gesicht. Zu Fuß soll es weitergehen, durch Mazedonien. Oder, wer es sich leisten kann, mit dem Fahrrad. Dann von Serbien aus bis nach Ungarn. Jene Grenze ist am meisten gefürchtet.

Betreten, ratlos und begleitet von einem betäubenden Ohnmachtsgefühl fahren wir die 700 Meter weiter zur Grenze. Wir zeigen unsere deutschen Pässe. Freundlich werden wir von dem griechischen Grenzbeamten verabschiedet, und freundlich von dem mazedonischen begrüßt. Einen kurzen Blick will er hinten in die Kiste werfen, das war’s.

Kurz hinter der Grenze das gleiche Bild: Männer mit kleinen Rucksäcken und Schlafsäcken oder Decken am Straßenrand unterwegs, in Gruppen oder alleine, zu Fuß, und viele mit Fahrrädern.
Wir halten an einer kleinen Raststätte, und kommen dort mit einer Gruppe Männern ins Gespräch, die im Schatten auf dem Boden sitzen und sich ausruhen, von der Hitze, von dem langen Marsch, der Fahrradfahrt auf den auf- und absteigenden Straßen Mazedoniens. Sie sehen müde aus, aber sind offensichtlich erfreut über unser Interesse. Wir erfahren, dass die Fahrräder für 150 Euro an die Reisenden verkauft werden. Wer sich das nicht leisten kann, muss gehen. Wie die drei Männer aus der Gruppe, mit denen wir uns unterhalten.

Einer von ihnen ist ein Student aus dem Gazastreifen. Er ist in Jabalia aufgewachsen, dem größten Flüchtlingslager im Norden von Gaza Stadt. Auch ich habe einen Tag dort verbracht, als ich zwecks Recherchetätigkeiten für meine Diplomarbeit einen Monat im Gazastreifen verbringen durfte. Die Herzlichkeit und unbegrenzte Gastfreundschaft der Menschen, die mich für diese Zeit wie ein Familienmitglied aufgenommen und umsorgt haben, ist unvergessen.

Während wir uns unterhalten, bringt ein Angestellter der Raststätte einen Tisch zum dem gut 20 Meter entfernten Schattenplatz unter den Bäumen. Ein weiterer Trägt Stühle. Es gibt sie, die Solidarität unter der Bevölkerung.

200 Kilometer sind die drei Männer seit Griechenland gegangen. Die dicken Blasen an den Füßen sprechen für sich. Das Essen ist ausgegangen, die Wasserflaschen sind so gut wie leer. Ob wir sie nicht ein Stück mitnehmen können, wollen sie wissen, bis nach Skopje vielleicht. Sie sind „illegal“ im Land, das ist uns klar. Wir haben gut Platz für drei weitere Personen, und haben bisher in jedem Land Anhalter mitgenommen. Und an die „Illegalität“ von Menschen glauben wir sowieso nicht. Also Laden die drei Männer ihre Rucksäcke ein. Wir sehen gerade noch, wie ein älterer Mazedonier zwei Tüten mit Lebensmitteln an die Gruppe verteilt.

Nach ein paar Kilometern entspannen sich unsere neuen Mitreisenden merklich, wir plaudern, erzählen aus unseren Leben, auf Englisch, Arabisch, mit Übersetzungs-App, und wie so oft mit Händen und Füßen.

Das Smartphone ist ein wichtiges Hilfsmittel, dient es doch nicht nur der Kommunikation mit der zurückgelassenen Familie und dem unverzichtbaren Informationsaustausch untereinander, sondern auch zum navigieren der Reise. Während der Fahrt zeigen sie uns ein aufgenommenes Video. Ein graues, motorisiertes Schlauchboot, voll besetzt mit Männern verschiedener Herkunft, auf dem Wasser. Im Hintergrund eine Küste. Strahlender Sonnenschein. Das Video zeigt die Überfahrt vom türkischen Bodrum auf die griechische Insel Kos. Drei Stunden hat sie gedauert. Das Camp auf Kos sei überfüllt und in miserablem hygienischen Zustand, erklären sie. Die nächsten Bilder zeigen die Gruppe auf einer Fähre nach Athen. In Griechenland dürfen sich Geflüchtete nach der Registrierung frei im Land bewegen. Aber dort bleiben ist keine Option, zu schlecht sind die Zustände in den Lagern, und der Rassismus gegenüber den Migranten ist gravierend.

Etwa 20 Kilometer nördlich von Skopje bei Komonovo fahren wir auf einen Raststättenparkplatz. Von hier an müssen sie zu Fuß weiter, es ist nicht mehr weit zur Grenze. Eine weitere Gruppe von vielleicht 25 Männern mit Ruck- und Schlafsäcken und Fahrrädern macht sich gerade fertig zur Weiterreise. Während wir uns noch verabschieden, gesellt sich die Polizei in Zivil zu uns. Ob wir wüssten, dass die Mitnahme dieser Menschen in diesem Land nicht erlaubt sei, fragen sie auf deutsch. Ich verneine, und weise darauf hin, dass wir lediglich Anhalter mitgenommen haben, so wie wir das überall tun. Schließlich bin ich auch schon in Mazedonien getrampt, und wurde auch problemlos mitgenommen. Wir hätten jetzt ein gravierendes Problem, für „diese Sache“ sitzen Mazedonier für ein Jahr im Gefängnis. Und ohne Strafe werden wir hier nicht davon kommen. Wir beziehen uns auf den gesunden Menschenverstand, und sind uns keiner Schuld bewusst. Es geht ein bisschen hin und her, im Endeffekt wollen sie rausfinden ob wir den „Transport von Flüchtlingen“ für Geld gemacht haben, was alle wahrheitsgetreu verneinen. Währenddessen zieht sich ein weiterer Polizist betont langsam Einweghandschuhe an. Die Rucksäcke der Syrier und des Palästinensers werden durchsucht, die Handys auseinandergenommen, die letzten Fotos angeschaut. Pässe haben sie keine, nur das griechische Registrierungsdokument. Nach ein paar Telefonaten können wir weiterfahren. Auch die drei Männer können weiterziehen, mit dem Hinweis, dass es im Ort eine Polizeistation gibt, wo sie Asyl beantragen können. Uns wird zum Abschied noch geraten, uns von jetzt an von „denen“ fern zu halten, um uns nicht in gesetzliche Schwierigkeiten zu bringen. „Von denen werdet ihr unterwegs noch viele sehen!“

Eigentlich wollten wir uns von unseren Mitreisenden mit einem selbstgekochten Tee und Datteln verabschieden, um ein wenig von der Herzlichkeit weiterzugeben, die uns in all den Ländern durch die wir gereist sind, so selbstverständlich entgegengebracht wurde.

So blieb nur noch die Möglichkeit für ein flüchtiges, aber wohlwissendes Augenzwinkern, bevor sie ihre Rucksäcke packten und hinter der nächsten Ecke verschwanden: Grenzen verlaufen zwischen oben und unten, und nicht zwischen den Menschen. No one is illegal!

Später lesen wir, dass erst im April 14 Geflüchtete, die zur besseren Orientierung auf den Gleisen unterwegs waren, von einem Güterzug erfasst worden und ums Leben gekommen sind.

Einen Tag vor unserer Durchquerung des Landes wurde in Mazedonien ein Gesetz verabschiedet, das Geflüchteten von nun an die Benutzung von Bussen und Bahn erlaubt.

Einen weiteren Tag davor kündigte Ungarn an, die 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien mit einem vier Meter hohen Zaun zu sichern, um den Flüchtlingszustrom einzudämmen.

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Iran: Kurdistan

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Je weiter wir nordwestlich fahren, desto grüner wird die Landschaft wieder. Das tut nach den hunderten Kilometern in der nicht enden wollenden Wüste besonders gut. Saftige Wiesen soweit das Auge reicht, auf den Hügeln und weit in die Täler des Zagros-Gebirges hinein. Es herrscht Frühlingsstimmung. Die Kirschbäume blühen weiß und zart rosa, auf den Wiesen blüht der dunkelrote Mohn, gelbe Schlüsselblumen, Raps und weiße Margeriten. Unterwegs sehen wir immer wieder Nomadenfamilien mit ihren Schaf- und Ziegenherden. Auf den entfernten Gipfeln liegt Schnee.

Zwei Tage verbringen wir in dem kleinen Dorf Oraman Takt. Auf dem Weg dorthin erreichen wir die Schneegrenze, dann geht es wieder ein gutes Stück bergab. Das Dorf schmiegt sich an einen Berghang, die Gassen sind teilweise so schmal, dass auf den flachen Dächern der jeweils unteren Häuserreihe gegangen wird. Hinter dem gegenüberliegenden Berg beginnt der Irak.

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Iraner_innen lieben Picknick. Und so wird zu jedmöglicher Gelegenheit das Auto vollgepackt und raus aus der Stadt gefahren, oder einfach unterwegs von A nach B angehalten und die Decke neben dem Auto ausgebreitet. Jeder Platz wo das Auto stehen kann ist ein potenzieller Picknickplatz. So sieht man entlang den Straßen, auf den Wiesen, an Bächen und unter schattenspendenden Bäumen, eine Familie nach der anderen beim entspannten schmausen. Die obligatorische Teekanne ist dabei, genauso wie der Gaskocher und oft auch die Wasserpfeife. Das ist sehr nett anzusehen. Leider ist dabei Plastikgeschirr gang und gäbe, und dieses bleibt dann oft an jenen schönen Picknickplätzen zurück. Unter dem Baum, der den Schatten gespendet hat, auf der grünen Wiese, im Bach an dem man saß. Das ist dann weniger schön mit anzusehen.

Unsere letzten Tage im Iran stehen wir am Orumiyeh Lake (Urmiasee), oder zumindest dem was davon noch übrig ist. Der Salzsee, der vor gar nicht all zu langer Zeit noch 10mal die Größe des Bodensees hatte, ist mittlerweile größtenteils ausgetrocknet. Der steigende Wasserbedarf der nahegelegenen Stadt Tabriz und mangelndes Wasser- und Umweltmanagement hinterlassen ihre Spuren…

In einer kleinen Ortschaft biegen wir Richtung See ab, es geht weiter auf schmalen Feldwegen, und als auch diese aufhören, gibt es weitläufig nur noch mannshohes Buschwerk und Gras, das als Weidefläche genutzt wird. Ein alter Schäfer weist uns den Weg durch die Sträucher und Büsche, bis wir vor einer trockenen, weiten, weißen Ebene stehen. Eine beeindruckende Szenerie. Und was für eine Stille. Am entfernten Horizont sieht es so aus als ob es dort Wasser gibt, doch das täuscht. Vor uns liegt eine Salzwüste, die die traurige, wenn nicht minder schöne Hinterlassenschaft des Sees ist. Später gesellt sich der Schäfer zu uns, zu Tee, Datteln und Keksen, immer mit einem Auge bei den Schafen.

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Nach zwei Tagen idyllischer Ruhe kommt uns gen Mitternacht die Polizei abholen. Es ist ihnen sehr suspekt, dass wir uns nicht wie andere Touristen in der Stadt aufhalten, sondern hier wo nichts ist, nicht mal mehr ein See. Wir sollen mit zur Polizeistation zur „Security Investigation“. Alles argumentieren hilft nichts. Auf der Wache ist man einigermaßen betreten, dass mitten in der nacht zwei genervte Touris angeschleppt werden, und nach einer kollektiven Passkontrolle in großer Runde und dem üblichen Smalltalk werden wir mal wieder in eine Hotelanlage eskortiert. Das Gebiet wo wir standen wurde kurzerhand zur ‚forbidden area‘ erklärt.

Und so haben wir quasi das Land verlassen, wie wir wir es betreten haben: im Begleitschutz. Trotzdem hatten wir, auch bei der zweiten Durchreise, eine wunderschöne Zeit im Iran, die sowohl landschaftlich als auch atmosphärisch nochmal völlig anders war als die erste. Die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, denen wir begegneten, war definitiv eine durchgehende Konstante.

An der Grenze müssen wir einen Aufpreis von 40.000 Rial (ca. 1€) pro Liter Diesel, den wir dabei haben und somit „ausführen“, zahlen. Die Kiste ist freilich proppenvoll getankt. Inklusive diverser Kanister haben wir 260 Liter dabei. Aber weil „die Iraner ihre Touristen so lieben“ werden uns nur 50 Liter berechnet. Das ist bei den Dieselpreisen (wir haben je nach Region und Verfügbarkeit zwischen 0,06 € und 0,18 € pro Liter gezahlt) und den gefahrenen 4000 km im Land gut zu verkraften.

…da schaut man mal Fernsehen

Gestern Abend nach getaner Arbeit waren wir bei der Familie unseres Werkstattchefs zum Essen eingeladen, im Neubauviertel an einem der grünen Hügel von Sanandaj. Der überdimensionale Flachbildfernseher lief, und über Satellit wurde uns stolz ZDF präsentiert. Wir sind seit Monaten ohne wirklichen Zugang zu irgendwelchen Neuigkeiten aus der Welt, und waren besonders gierig danach Nachrichten zu sehen.

Und prompt kamen Bilder vom Erdbeben in Nepal, die uns ganz schön aufgewühlt haben. Wir fühlen uns noch sehr verbunden mit den Menschen dort, und können nur erahnen wie schwierig die Bergung von Verletzten aus abgelegenen Bergdörfern oder selbst in den engen Straßen von Kathmandu ist. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien.

Unser Nepal-Video ist einen knappen Monat vor dem Erdbeben entstanden. Danke, Nepal, für die schöne Zeit!

Iran: Werkstattmarathon

Wir stehen im Hof einer Werkstatt in Sanandaj, im iranischen Kurdistan unweit der irakischen Grenze, und werden von den Mechanikern wohl umsorgt. Gerade wurde noch eine große Wassermelone reingereicht, yummie. Die Kiste macht ganz schön was mit. Heute, als wir anhielten und den Kühler öffneten, kam eine kochende, schwarze, stinkende Brühe rausgesprudelt. Wir standen mit blutenden Herzen davor und sahen zu. Dann kam ein gewaltiger Windstoß und riss die angelehnte Fahrertür auf. Jetzt ist irgendwas verbogen und sie schliesst nicht mehr richtig. Zehn Kilometer früher hatten wir die Batterie testen lassen, weil es seit Tagen immer morgens wenn der Motor noch kühl ist Probleme beim Anlassen gibt. Diagnose: so gut wie hinüber.

Heute, noch früher, haben wir bei Kermanshar einen der Zwillingsreifen flicken lassen, Loch im Schlauch. Das gleiche Loch mit dem wir gestern schon irgendwo anders beim flicken waren, aber der Flicken fiel wieder ab. Zwei Tage vorher mussten wir morgens einen der Vorderreifen austauschen, die Felge war durchgerostet und der Reifen (ohne Schlauch) verlor Luft. Und am Abend war einer der anderen Zwillingsreifen platt. Reifenwechsel kann ich mittlerweile im Schlaf.

Hier in der Werkstatt wurden nun Zylinderkopfdichtung und Bolzen gewechselt (hatten wir noch dabei), Kühler geöffnet, gespült und wieder verlötet, Keilriemen erneuert, sämtliche Teile gereinigt, die Tür zurecht gebogen, drei Männer eineinhalb Tage damit beschäftigt.

Für die Arbeit durften wir nichts bezahlen, nur für die Arbeitsmaterialien haben wir um die 30 Euro bezahlt. Danach gab’s noch eine Vollreinigung auf dem Nachbargrundstück, wir schleppten wahrscheinlich noch kiloweise Schlamm aus Nepal mit uns rum. Das morgendliche Anlass-Problem konnte mangels Ersatzteil leider nicht behoben werden. Die Batterie ist anscheinend doch in Ordnung.

Nach 21.000 km seit Beginn der Reise in Rosenheim sind all die Reparaturen kein Wunder. Die Hitze der letzten Tage an der Küste taten ihr übriges. Kein Tag unter 40° C im Schatten, Fahrtwind heiß wie ein Föhn auf höchster Stufe. Die Kiste hat sich tapfer geschlagen, nur einmal ging der Temperaturanzeiger vom Kühlerwasser kritisch nach oben. Die einsamen Strände haben wir gefunden, geschwommen sind wir auch, wenn auch nicht in Bikini und Badehose (man weiß ja nie wer hinter der nächsten Sanddüne auftaucht). Zumindest hatte ich paar Kopftuch freie Tage. Und auch eine Werft, in der die alten Holzschiffe noch gebaut und repariert werden, haben wir besucht.

Als wir mal wieder durch das Nichts, der unendlichen Wüste am persischen Golf, fuhren und uns fragten ob und wie ein Leben in dieser bratenden Ödnis wohl möglich ist, sahen wir einen alten Jeep abseits der Piste, der im Sand feststeckte. Wie lange die beiden Männer schon versuchten das Auto mit Steinen unter den Reifen aus dem Sand zu befreien konnten wir wie so oft aus Mangel an gemeinsamer (zumindest verbaler) Sprache nicht eruieren, aber mir wurde sogleich ein kleines, durstiges Mädchen aus dem Auto gereicht, mit der offensichtlichen Bitte um Wasser. Nachdem wir den Jeep aus dem Sand gezogen hatten, luden sie uns zum Essen in ihr Dorf ein, das ein paar Kilometer weiter an der Küste lag. Das Familienhaus war voll klimatisiert, der Temperaturunterschied zu der Mittagshitze draußen bestimmt 25-30°C. Wir wurden aufgeregt und freundlich von der Familie empfangen, reichlich mit Speis und Trank versorgt, durften eine heiße Meerwasserdusche nehmen, und konnten uns gerade noch so aus einem fürsorglich verordneten Mittagsschlaf im elterlichen Bett bewahren. Eine Unterhaltung, über die universelle Zeichensprache hinaus, auf Englisch war so gut wie unmöglich, aber tatsächlich stellte sich bald heraus, dass ich mit meinem Arabisch mehr Erfolg hatte. Die Familie gehört zu den Bandaris, den ca. 3 Prozent der arabisch stämmigen Iraner aus dem Irak oder Saudi Arabien. Der Vater der Familie war Fischer, und ließ sich nicht davon abbringen uns zum Abschied eine Tüte voll Fisch, einen dicken roten Hummer und einen großen orangenen Seestern zu schenken. Und da wir nicht wussten wohin damit (Bert mag keinen Fisch, ich als Vegetarierin freilich auch nicht), haben wir später alles bis auf den schönen Seestern verschenkt.

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