Iran: Eskortenalltag

Wir sind immernoch in Belutschistan, jedoch auf iranischer Seite. Die 80 km von der Grenze bis zur nächsten Stadt Zahedan eskortierte uns das iranische Militär mit rosa-beigen Flecktarnuniformen. Wieder hieß es alle paar Kilometer anhalten, Daten auf irgendeinen Zettel schreiben, auf die nächste Eskorte warten. Hier wurden uns die Pässe abgenommen und von Eskorte zu Eskorte gereicht. Die 80 km dauern dann mal eben knappe vier Stunden. In Zahedan angekommen brauchten wir eine Mercedes-affine Werkstadt, das obere Federblatt, diesmal auf der rechten Seite, hat die Straßen in Pakistans Wüste nicht überstanden. Da wir uns auch in Zahedan keinen Meter ohne Begleitschutz bewegen durften, lotsten sie uns durch die Stadt zur Werkstatt. Weil es dann schon zu spät war um noch das Werkeln anzufangen zum Hotel, mit der Vereinbarung uns am nächsten morgen um Sieben wieder abzuholen und zu der Werkstatt zu bringen. Um zehn war von der Eskorte immer noch nichts zu sehen. Um elf kamen irgendwelche anderen Jungs, die weder wussten dass wir in die Werkstatt müssen, noch wo diese war, und Kommunikation ging auch nicht wirklich zwecks Mangel an gemeinsamer Sprache. Wir wollten nur noch weg, aber die Pässe waren fest in Hotel- bzw. Polizeihand.

Irgendwann hat sich dann alles aufgelöst, die Federn auf beiden Seiten waren bis zum Abend ausgetauscht, und wir standen wieder im Hotelinnenhof, abfahrbereit für den nächsten Tag.
Ziel war Chabahar, eine Hafenstadt am Golf von Oman. Laut Militär und Auskunft an der Grenze ist die Strecke ohne Eskorte fahrbar, nur bis zum Ende des Stadtbezirkes sollten wir noch begleitet werden.

Wenn man bedenkt, dass wir uns bei unserem ersten Aufenthalt in Zahedan zu fünft mit einem iranischen Fernsehkoch die halbe Nacht in seinem Restaurant und einem Amusement-Park mit Essen, Shisha rauchen und verbotenerweise Wodka und Whiskey um die Ohren schlagen durften, und manch andere Reisende auf dem Weg nach bzw. aus Pakistan kommend, sich komplett ohne Eskorte bewegt haben, erschien der feste Griff in dem wir gehalten wurden manchmal wirklich übertrieben und ein zügiges und unauffälliges Durchqueren solcher Gebiete als sinnvoller. Aber, wie immer wieder betont wurde, sie sind nur da um zu helfen.

Im Hotel trafen wir auf zwei deutsche Libellenforscher, die, man staune, ohne Begleitschutz, aber mit Guide unterwegs waren. Auch sie wollten am nächsten Morgen in Richtung Chabahar aufbrechen, aber die Strecke in Abschnitten fahren. Da es dem Hotel dann wohl doch seltsam vorkam, dass zwei Deutsche mit und zwei ohne Eskorte unterwegs waren, bekamen auch sie für den nächsten Tag eine Polizeieskorte zugeteilt, der wir dann alle folgten. Und so hatten sie sich unverhofft für einen Tag in unseren allmählich einkehrenden Eskortenalltag eingereiht. Für uns eine willkommene Abwechslung. Am Ende des Stadtbezirkes wurden wir und unser aller Pässe dem Militär übergeben, das uns dann doch die gesamten 635 km bis Chabahar begleiten wollte, und ebenso das Forscherteam bei den „Feldbegehungen“. Forschen mit bewaffneter Eskorte gestaltet sich ja eher schwierig. Wie die Libellen das fanden, werden sie uns hoffentlich noch irgendwann berichten..!

Wir fuhren an dem Tag bei Dämmerung noch bis Iranshahr und unsere Pässe wechselten immer wieder die Hände. Erst standen wir auf einem Parkplatz in der Stadt, das war dann wieder nicht sicher genug, und so sollten wir auch hier wieder zu einer Polizeistation folgen. Dort, hundemüde und sehnsuchtsvoll das Bett erwartend, wurden wir vom „Governer of the City“ zum Plausch und Früchteessen eingeladen. Als er sich davon überzeugt hatte, dass wir wirklich in kein Hotel wollten, wurden wir entlassen und haben tatsächlich unsere Pässe wieder bekommen. „Security Problems“ oder irgendwelche weiteren Eskorten kamen ihm gar nicht in den Sinn, alles ist in bester Ordnung.
Unser Wohlbefinden sei hier nur durch die Hitze und die Moskitos gefährdet. Das kriegen wir hin, meinten wir. Puh, Freiheit. Wie fühlt sich das nochmal an?

Der Plan: südlich zum Golf von Oman, einsame Sandstrände finden, schwimmen im arabischen Meer, an der Küste entlang nach Bandar Abbas, am persischen Golf beim Bau der traditionellen Holzschiffe zuschauen, irgendwie die brütende Hitze überstehen, dann wieder nordwärts nach Shiraz und Persepolis.

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Pakistan: Belutschistan

Die letzten 650 km durch Belutschistan, die wegen der Nähe zur afghanischen Grenze, den internen Stammeskonflikten und den Taliban als die gefährlichsten gelten, verliefen weitestgehend unereignisreich. Fordernd sind sie dennoch allemal. Der permanent wechselnde Begleitschutz, die Wartezeiten an den unzähligen Checkpoints, das Eintragen in die ewigen Bücher, die Hitze und staubige Trockenheit der Wüste zehren an den Kräften. Gefühlt führt die Straße durch das Nichts. Ein unsagbar schönes Nichts jedoch. Eine malerische Wüsten- oder Berglandschaft löst die nächste ab, in ähnlichem Rhythmus wie die Eskorten das tun.

Die Jungs waren, wie auch das letzte mal schon, sehr entspannt und gut gelaunt, und einmal bekamen wir bei einem Halt vor einem Wüstencheckpoint sogar ein äußerst charmantes Ständchen von Baba Said auf Belutschi, und alle klatschten mit und ein wenig getanzt wurde auch.
Wegen dem allgegenwärtigen „Security Problem“ konnten wir nur einen kleinen Einblick in sein Repertoire genießen, aber halb so schlimm, man findet ihn wohl auch auf Youtube mit Liedern auf Urdu, Farsi, Hindi und Arabisch. Auch sonst stand die Fahrt unter einem musikalischen Stern. Cihan, der ab Quetta mit uns fuhr, reist mit einer Djembe und hatte während der zwei Tage Fahrt reichlich Zeit dafür.
Als die Sonne hinter den Bergen verschwand hielten wir in Nokundi, bis zur Grenze waren es vielleicht noch 150 km. Wir tranken Chai mit unseren bärtigen Beschützern mit den freundlichen Gesichtern, zwischen Lehmmauern und klarem Sternenhimmel, eingehüllt in die Stille der Wüste.

Am nächsten Tag gegen Mittag das übliche Grenzprozedere. Beim Customs Office die Autopapiere, im Immigration Office die Pässe abstempeln lassen. Infrastrukturmäßig liegt der Grenzübergang um Längen hinter dem iranischen auf der anderen Seite des Zaunes. Das einfache Steinhäuschen ist in seiner Funktion von außen als solches kaum zu erkennen, aber wir waren schnell durch.
Leider hing Cihans persönlicher Glücksstern an diesem Tag nicht sehr hoch. Da sein Visum zwei Tage überfällig war, musste er wieder nach Quetta zurück, um eine Visaverlängerung oder eine Exit Permit zu beantragen. Trotz Einsatz allerhöchster Überredungskünste gab es da kein Pardon vom Herrn Obergrenzbeamten, und so haben wir ihn schweren Herzens wieder mit den Levies ziehen lassen. Khuda Hafez, Pakistan!

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Pakistan: retour

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Pakistan. Nach knapp zwei Tagen Fahrt sind wir wieder in Belutschistan, und folgen der neunten Eskorte für heute. Einige werden noch folgen, denn es sind noch 200 km bis Quetta, dem nächsten Zwischenstopp. Es ist bereits Mittag, vielleicht hat es 35°. Der Sommer hat noch nicht angefangen, und doch brennt die Sonne schon auf die kahle Grassteppe, die endlos an uns vorüber zieht, und auf beiden Seiten bis zum Horizont reicht. In der Ferne trabt eine Ziegenherde über die schnurgerade Straße, und verschwindet auf der anderen Seite in einer Staubwolke, die von den hunderten kleiner Klauen im Sand aufgewirbelt wird. Von der anderen Seite überqueren drei Packkamele die Straße, im gemächlichen Trott dem Treiber folgend. Langsam wandelt sich die verdorrte Steppe in eine Gesteinswüste. Vor uns tauchen die ersten Bergketten auf, in der staubigen Luft nur schemenhaft erkennbar.

Gestern haben wir Multan, die Stadt der Mangos und Milane, und heute morgen Sukkur hinter uns gelassen. Die Route ist die gleiche wie bei der ersten Durchquerung letzten November. Anders ist, dass wir diesmal nicht im Konvoi fahren. Wir kommen schneller voran, vor allem im chaotischen Stadtverkehr, wo man sich die engen Straßen nicht nur mit aller Art motorisierten Fahrzeugen und Karren teilt, sondern auch mit allerlei Vieh, Rindern, Esel, Schafen, Ziegen, flatternden Hühnern. Nachteil ist, dass sich die neugierige Aufmerksamkeit der Menschenaufläufe, die sich ratzfatz bilden sobald man irgendwo greifbar wird, geballt auf uns zwei richtet, anstatt sich in entspannterer Weise auf mehrere Mitreisende zu verteilen. Nach dem tausendsten Mal „Which country?“, „ Your name?, your name?“, „Photo, please, photo!“ will man nur noch schreiend davon laufen. Geht aber nicht. Da muss man durch. Wie viele Fotos wohl mit uns schon in irgendwelchen indischen, nepalesischen, pakistanischen und iranischen Facebook-Accounts rumschwirren? Auch die Abendstunden und Wartezeiten in den pakistanischen Polizei- oder Hotelhinterhöfen lassen sich gemeinsam leichter vertreiben. Zumeist alle Gesichter, in die wir blicken, wirken warm und freundlich. Ich habe wirklich Lust, mich irgendwann einmal tiefer in dieses Land zu stürzen. In abgelegenere Bergregionen, ländliche Gegenden fernab der Städte. Das Land ist atemberaubend schön. Ohne Begleitschutz. Better times are about to come…

Abends im Bloomstar Hotel in Quetta, wo die meisten Overlander von der Eskorte über Nacht abgestellt werden, treffen wir auf zwei Backpacker aus Schweden und der Türkei. Die beiden haben ihr NOC* bereits in der Tasche und wollen am nächsten Morgen mit dem Taxi zur iranischen Grenze fahren. Die lokalen Busunternehmen verweigern mittlerweile die Mitnahme von Ausländern auf der Strecke zwischen Quetta und Taftan. Der Bus wird sonst alle Kilometer an sämtlichen Checkpoints anhalten müssen, weil jene sich durch Eintragen in die ‚ewigen Bücher‘ im jeweiligen Distrikt registrieren müssen. Auch im Bus fuhr stets ein bewaffneter Begleiter mit. Es gab mal eine Zugverbindung zwischen der Grenze und Quetta, die aber aufgrund mangelnder Passagiere schon seit Jahren still gelegt ist. Der Zug fuhr zweimal im Monat. Es stellte sich dann heraus, dass einer der beiden nicht mehr genug Geld für die weite Strecke mit dem Taxi (600 km, 200 USD) hat, und somit in Quetta gestrandet ist. Zudem läuft sein Visum heute aus, denn er bekam nur eines für vier Tage ausgestellt (was wirklich schwachsinnig ist, denn die knappen 2000 km durch Pakistan sind, mit eintägigem Aufenthalt in Quetta wegen dem NOC, nicht zu schaffen).

Wir treffen ihn am Morgen wieder, als der Hotelbesitzer ihm in ziemlich scharfem Ton unmissverständlich zu erklären gibt, dass er für die Situation absolut kein Verständnis habe, und ihm um zwölf bei nicht erfolgtem Checkout eine weitere Nacht berechnen wird, und die Preise sind, verhältnismäßig betrachtet, nicht ohne. Wir zahlen für zwei Nächte im Innenhof stehend, ohne Zimmer aber mit Toilette, 1600 pakistanische Rupien (1€ = 110 PKR). Freies Bewegen in Quetta ist auch nicht möglich. Des Weiteren muss er theoretisch heute abreisen, da das NOC auf das heutige Datum ausgestellt ist. Wir versuchen zu helfen, und schlagen vor mit uns und unserer Eskorte erneut zum NOC-Office zu fahren, das Abreisedatum um einen Tag zu verschieben, um dann morgen in aller Frühe zusammen zur Grenze zu fahren. Die Nacht über kann er, setzen wir ihm weiter auseinander, vorne in der Kabine auf der Gästematratze schlafen. Dem Hotelbesitzer fällt dazu nichts weiter ein, als ihm weitere 800 PRK für das Übernachten im Innenhof abverlangen zu wollen, und von uns will er mit verständnisloser Miene wissen, warum wir diesem Kerl helfen, es gehe hier um Business. Unverschämt, finden wir, und als die Stimmung hitziger wird, ziehen wir uns erstmal zurück. Mal schauen wie es später um die Sache steht. Klar ist jedoch, dass ich das Bloomstar Hotel nicht wirklich sympathisch finde. Nur hat man in der derzeitigen Situation in Quetta nicht viele andere Optionen. Morgen früh um sieben werden wir von der Eskorte abgeholt, der nächste Eintrag wird wieder aus dem Iran kommen!

*NOC (Non Objection Certificate). Um Inhalt, Sinn und Zweck dieses Dokuments wird unter Pakistan-Reisenden viel gerätselt. Im Endeffekt regelt es den Begleitschutz und klärt uns darüber auf, was wir tun und lassen sollen.

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Nepal: westwärts

100 km vor dem Mount Everest haben wir den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht. In Nagarkot, auf 2200 Metern, mit Blick auf die weißen Gipfel des Langtang Gebirgszuges. Bis auf diesen, und ein paar schönen Trekkingpfaden, gibt es in Nagarkot auch nichts weiter Spannendes zu sehen. Es ist Abend. Dicke graue Wolken schieben sich vor den rosaroten Himmel über dem Gebirge. Draussen gefühlte Windstärke 6. Wir sitzen in der schaukelnden Kiste, der Wind pfeift ins Ofenrohr. Bert kocht Tee. Jetzt ist das Gas alle, hat gerade noch für den Tee gereicht. Es blitzt. Neben uns steht der grüne Bus der französischen Familie, die wir schon in Kathmandu getroffen hatten. Ihre Reise wird sie noch in weitere östliche Gefilde führen, um dann über den amerikanischen Kontinent auf den afrikanischen überzusetzen. Wir verbringen den Abend zusammen bei heißem Bananen-Kokos-Rum-Dessert in ihrem Bus und quatschen, bis der Wind sich irgendwann draußen gelegt hat. Von hier an befinden wir uns wieder auf dem Weg Richtung Westen. Anfang April wollen wir die Rückreise durch Pakistan antreten, um dann die vollen dreißig Tage im Iran ausschöpfen zu können, denn der Einreisezeitraum läuft ab Ausstellungsdatum.

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Die letzten Tage stehen wir wieder im Pokhara-Tal, am Fluss, weiter oben ganz abgelegen vom Dorftrubel im Tal. Wir kriegen täglich Besuch von den Kindern aus dem Dorf, und lernen ein wenig Nepali. Ansonsten nochmal kräftig saubermachen, Wäsche waschen, denn Wasser ist bald wieder ein knappes Luxusgut.

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Und dann passiert es doch. Auf dem Weg zur Grenze bricht auf einer Seite das oberste Federblatt. Wir fahren ein paar km zurück in die letzte Ortschaft und lassen die Feder schweißen. Dann kommt noch eine Klammer über die Bruchstelle, das muss erstmal halten. In Nepal ist so ein Federsatz nicht zu bekommen, wir wollen im Iran zwei neue einsetzen.

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Nepal: Road to Kathmandu

Gestern haben wir das Pokhara-Tal hinter uns gelassen, wir sind auf dem Weg nach Kathmandu.

All die Geschichten und Mythen um die Stadt, die Hippies in den 60ern, die bunten Märkte, die Heiligtümer der Hindus und Buddhisten. Obwohl wir neugierig und voller Vorfreude auf Kathmandu sind, haben wir es dorthin nicht all zu eilig. Luftverschmutzung, Müll, Lärm, chaotischer Verkehr, auch das wird uns erwarten. Und als die Straße mal nicht irgendwo in den Bergen verläuft, sondern ziemlich weit unten am Flussbett, halten wir für zwei Nächte auf noch nicht mal halber Strecke. Paddeln mit einem geborgten Plastikkanu flussaufwärts und wieder hinab, füllen die Wasserreserven, backen Bananenkuchen für Bert’s Geburtstag am nächsten Tag. Und dann geht’s weiter.

Die ersten Nächte stehen wir in Kathmandu ganz romantisch auf dem staubigen Innenhof einer Autowerkstatt, in der Einflugschneise des International Airport. Ein paar Kleinigkeiten sind noch am Auto zu machen, auch die Federn sorgen uns ein wenig. Das regelmäßig auftretende tiefe Dröhnen in der Luft, das die Kiste zum zittern bringt, weist ohne Zweifel darauf hin, dass der Flughafen wieder freigegeben ist. Jener war die letzte Woche komplett gesperrt, weil ein Airbus von Turkish Airlines bei der Landung mit dem Vorderrad ins Gras neben der Landebahn rutschte und stecken blieb. Ganz schön viele Touris saßen fest, und die Touri-Industrie klagte und ihr Geschrei nach einem zweiten International Airport wurden noch lauter, sagt die Lokalzeitung.

Oder zum Beispiel, dass wieder mal ein völlig überladener Bus einen Abhang runtergestürzt ist. 6 Tote, 50 Verletzte. Der Bus hatte 34 Sitzplätze. Sowas, hört man allerdings öfter hier. Aber auf wundersame Weise überleben durchschnittlich viele diese Crashs, sagt man. Wir fahren vorsichtig. Versprochen!

Kathmandu erfüllt alle Erwartungen, und noch viel mehr. Ein sagenhaftes Treiben in den engen Straßen. Heute wohl eher ein Hippie-Einkaufsparadies. Ein Spagat zwischen Tradition und Moderne, der eher etwas hilflos und wackelig dasteht. Man hört die alten Hippies von besseren Zeiten erzählen: Damals, als die wenigen Autos noch über die Berge getragen wurden; als man auf der Ring Road noch ein Nickerchen halten konnte. Diese wird gerade vierspurig erweitert. Der heilige Bagmati-Fluss schiebt mehr Müll als Wasser vor sich her, eine stinkende braune Kloake die sich durch die Stadt schlängelt. Viele Nepalis tragen Atemschutzmasken, die gibt es an jeder Ecke passend zu jedem Outfit zu kaufen. Tageszeitenabhängig hängt die Smogglocke tief über der Stadt, die weißen Bergspitzen im Norden sind dann nur noch zu erahnen. Und trotzdem, die Stadt hat vielerorts etwas magisches. Hier müssen die Bilder für sich sprechen…

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Nepal: Im Bergrausch

Mit Bhutawal lassen wir die tropische Tiefebene, das Terai, und damit auch vorerst den Regen, hinter uns. Es geht nach oben. Wir steuern Pokhara an, die Stadt am See mit dem viel beworbenen Blick auf die Annapurna Gebirgskette. Der Weg dorthin ist beeindruckend schön, und macht uns ganz schön schwindelig, angesichts der ungewohnten Dimensionen die sich zeitweise auftun: die schmale Bergstraße zwischen Steilwand und Abhang, der Flusslauf in der Tiefe nicht immer zu erkennen; die sagenhafte Weite, der Blick über unzählige Kuppeln und Gipfel. Vorbei an grünen Terrassen mit Reis und Weizen, in präziser Handarbeit bewirtschaftet, die sich an die Hänge schmiegen. Kleine Bergdörfer, mit Häusern und Essensständen, zwischen Straße und Abhang aneinandergereiht. Bereits am ersten Tag sind wir uns einig, dass Nepal übersetzt ‚Kurve’ heißen muss. Zehn pro Kilometer, haben wir einmal gezählt. Bald schon sind die ersten schneebedeckten Gipfel des himalayischen Hochgebirges zu sehen. Am prägnantesten davon der Machhapuchhre, der Fischschwanzberg, der im Norden über Pokhara thront. Von dort aus starten die Treks zur Annapurna-Runde, die wohl beliebteste Trekkingroute Nepals.

Eine gute Woche sind wir auf Erich’s liebevoll betriebenem Overlander-Campingplatz, tief im Tal und ausserhalb der Stadt. Mit einem fantastischen Blick auf die Berge rund ums Tal. Der erste Halt auf einem Campingplatz auf unserer Reise. Es ist kaum jemand hier, ein französisch-italienisches Pärchen mit einem Landrover haben wir um zwei Tage verpasst. Aus geplanten zwei Nächten wurde dann doch etwas länger, aber damit sind wir nicht die ersten, wie man den bunten Einträgen im Gästebuch entnehmen kann.
In die Stadt zieht es uns wie immer nur selten. Zu sehr genießen wir die Ruhe im Tal, mit den Reisfeldern um uns herum, den grasenden Büffeln, und verbringen die Tage in tranquiler Idylle mit simplen Alltagstätigkeiten, für die endlich mal ausgiebig Zeit ist. Zum Beispiel Butter machen.

Sonnenuntergang ist Melkzeit, und wir ziehen mal wieder los mit unserer Milchkanne. Die benachbarten Bauernfamilien besitzen jeweils zwei bis drei Kühe oder Büffel. Eine Kuh gibt gibt drei bis fünf Liter Milch, erzählen sie uns. Die Milch wird direkt über offener Flamme auf dem Lehmofen erhitzt, und so länger haltbar gemacht. Sie ist überwiegend für den Eigenbedarf der Familien gedacht; Büffelmilch wird vor allem den kleinen Kindern zugeteilt, wegen dem hohen Fettgehalt. Was übrig ist, wird zu Ghee verarbeitet, oder für 80-100 Rupien pro Liter an andere Dorfbewohner, die mit Ihren Gefäßen kommen, oder auch auf dem Markt verkauft, und unterstützt das Einkommen der Familie. Einmal holen wir uns zwei Liter frisch gemolkene Milch und machen Butter daraus. Ein Abend füllendes Vorhaben, mit unserem manuellen Handrührgerät. Aus den zwei Litern Milch kriegen wir gerade mal einen guten Esslöffel voll Butter. Dazu gibts frisch gebackenes Buchweizenbrot aus dem Holzofen. Der ist hier seit langem mal wieder in Betrieb, und sorgt nachts für wohlige Wärme.

Einmal statten uns drei tibetische Mönche einen Besuch ab, die auf dem Weg in die Berge sind. Sie leben, wie so viele andere Tibeter, im indischen Exil, und sind für eine Pilgerreise nach Nepal gekommen, um die buddhistischen Heiligtümer zu besuchen.

So nah und doch so weit weg! Gerne würden wir weiterreisen nach Tibet, aber die Einreisebedingungen, die China vorschreibt, machen es einerseits für unser Reise-Budget kaum möglich, und andererseits auch speziell unattraktiv. Denn Vorstellungen vom Reisen frei der Nase nach, sind fast unrealisierbar. Einreise nur mit Visum für China, Spezialgenehmigung für Tibet, chinesischem Führerschein und Kennzeichen, Reisegruppe und Guide, den man man dann permanent an der Backe hat. Frei bewegen also nicht möglich, und Kosten insgesamt wohl um die 3000 Euro, abhängig von der Größe der Gruppe unter der sich die Kosten für Reisebüro und Guide aufteilen. Nein danke. Immerhin könnten wir theoretisch einreisen, unsere Exil-Mönche bekommen nicht mal ein Visum ausgestellt, auch für sie ist spätestens an der Grenze Schluss.

Am 04. März ist Holi, das Farbfest der Hindus zum Ende des Winters. Das ganze Land ist im Ausnahmezustand, es schallt ‚Happy Holi’ aus allen Richtungen. Kaum jemand der heute farblos bleibt. Man rät uns entweder nur in alten Klamotten unter die Menschenmengen zu gehen, oder, wie viele andere es tun, an diesem Tag die Straße zu meiden. Das wäre jedoch Schade um so ein Spektakel, und so viele fröhliche Gesichter. Die Farbe kommt aus Wasserpistolen, Eimern oder als Pulver aus Tüten. Viele tragen weiße ‚Happy Holi‘-T-Shirts über den Klamotten.
Wir sind an diesem Tag unterwegs in ein abgelegenes Bergdorf. Auch hier gibt es kein Entrinnen. Kinder versperren etliche Male mit Bambusstangen den Weg, ein Weiterkommen ist nur mit einem Wegezoll möglich, sie wollen Rupien, sonst gibts Farbbomben, ganz nach dem ‚Trick or Treats-Prinzip‘. Wir kaufen uns mit 5-Rupies-Scheinen frei, und haben am Ende des Tages doch pinke Gesichter.

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Nepal: Blitz und Donnerwetter

Nepal begrüßt uns gebührend, mit Donnerwetter und verdammt leckerem Essen.

Wir stehen in Siddharthanagar, unweit der nepalesischen Grenze, auf dem tristen Hinterhof einer Tankstelle mit Werkstatt, und werkeln. Das heißt, Bert werkelt, mit den Jungs von der Tanke, und ich schreibe.

Das Standgas-Seil ist auf die letzten km in Indien noch gerissen, was dazu führte, dass bei jedem mal Abbremsen vor einem Schlagloch, und es gab mehr Loch als Straße, der Motor ausging. Jene Kraterpiste zog sich quasi endlos in die Länge, mal besser und mal schlechter, und so holperten wir zwei Tage lang im Schneckentempo durch das provinzielle Nordindien in Richtung Grenze. Mit einer quäkenden Janis Joplin aus den Lautsprechern, und einer diffusen Vorfreude auf Nepal.

Und dann, es war gerade Sonnenuntergang, und wir uns eigentlich, da wir keine Eile hatten, erst ganz entspannt am nächsten Morgen dem Grenzprozedere stellen wollten (Aus- und Einreise mit eigenem Gefährt dauert erfahrungsgemäß ja immer eine Weile), ging alles ganz schnell.

Auf der eben noch so gemütlichen Provinzstraße kurz hinter dem letzten indischen Provinzörtchen stauten sich zweireihig schwer beladene Trucks, Reisebusse, Minibusse, hupend, stinkend, die alle das selbe Nadelöhr anvisierten, und in einer weiteren Reihe daraus hervor kamen. Nur noch Zentimeter waren zwischen den sich aneinander vorbeischiebenden Fahrzeugen. Die enge Straße war beidseitig von einer Häuserreihe eingesäumt, die blinkende Shops mit bunten Klamotten, Plastikkram und Essen beherbergte. Erst als wir uns langsam an dem kleinen Büro für die Passkontrolle vorbeischoben, das nur von einem handgemalten Schild von den anderen Lokalitäten am rechten Straßenrand zu erkennen war, wurde uns klar, dass wir uns schon mitten im Grenzprozedere befanden. Wir steckten fest. Es gab quasi kein Entrinnen mehr, weder nach vorne noch nach hinten. Wir mussten uns dem Fluss beugen, förmlich im Strom mitschwimmen. Und all zu lange dauern durfte es auch nicht, da die Grenze in einer Stunde schließe sollte, hörten wir. Und dann? Im Grenzstau übernachten?

Und so sah man uns beide abwechselnd, rechts und links der Straße hier hin zum Ausstempeln, und dort hin zum Carnet des Passage-Clearing laufen, nach hinten in die Wechselstube, nach vorne zum kopieren, während sich die Kiste in der schnaufenden Blechlawine Stück für Stück nach vorne arbeitete. Rechts und links Menschen, überall Menschen, die hier und da hin wollten, oder mussten, genauso wie wir, oder nur paralysiert dem Treiben zusahen. Das tat ich zwischenzeitlich auch.

Auf der nepalesischen Seite der Straße gab es dann einen Parkplatz. Ausgeatmet. Eingeatmet. Gesammelt. Und weiter. Ein paar entspannte, gut gelaunte Grenzbeamte, die zügig unsere Visa ausstellten. Ein Gebäude weiter brachten wir das Carnet zum Clearing. Alle Daten wurden wieder in das große, ewige Buch übertragen. Das dauerte ein wenig, wir kriegten dafür eine Mandarine geschenkt. Im Fernsehen lief Fussball, irgendein Deutsches Team mit dabei. Vom Trubel draussen war hier nichts mehr zu spüren. Für die letzte Unterschrift vom Chef sollten wir mit dem Beamten gehen, quer über den Platz, in ein anderes Gebäude. Chef nicht da, überhaupt war gar niemand mehr da in diesem Gebäude. Er telefonierte, einmal, zweimal, offensichtlich sehr bemüht uns an jenem Tag noch ins Land zu kriegen. Wir folgten ihm in den Hinterhof, wo mehrere Leute um einen runden Tisch herum beim Abendessen saßen. Der Chef war auch mit dabei. Er unterschrieb, während uns ein anderer schon Stühle brachte und Essen anbot. Wir waren mittlerweile ganz schön hungrig, und nahmen das Angebot dankend an. Es gab süßen, klebrigen Reis mit Rosinen, und dazu drei unterschiedlich deftig und scharf gewürzte Gemüse. Ladyfingers, Kartoffeln und noch irgendwas. Das essen war super lecker, wir freuten uns auf mehr Nepali Food. Zum Abschluss ein bisschen Whiskey, und schon folgten wir dem Beamten wieder in die offiziellen Räumlichkeiten.

Wir fuhren noch ein paar km, bis wir in stockfinsterer Nacht an der Tanke hier ankamen. Es war ein spannender Tag. Und wir sind einen Tag früher als beabsichtigt in Nepal.

Noch sind keine Berge zu sehen, aber man kann ihre Präsenz förmlich fühlen. Vormittags um elf ist es nun plötzlich so finster wie abends um fünf. Der Himmel zieht sich zu, die ersten Tropfen fallen auf den staubigen Boden. Sturmböenartiger Wind, Blitze und dann ein Regenguss, der in Kürze eine zwanzig cm tiefe Pfütze um die Kiste herum entstehen lässt. Ein scharfer Kontrast zu den schweißtreibenden Temperaturen der letzten Tage in Südindien. Für uns der erste Regen seit, ja, seit wann eigentlich? Irgendwann hat es einen Vormittag lang in Arambol richtig geschüttet. Da mussten wir Rani’s Bambus-Shack notdürftig mit Planen abdecken. Überall flossen kleine Bäche durch das Palmblattdach, und die aufgestellten Eimer und Schüsseln waren im nu voll und liefen über. Und davor? Es muss in der Türkei gewesen sein. Dafür aber tagelang ununterbrochen. Stünden wir nicht mitten in der Sadt, sondern irgendwo abgelegen ohne neugierige Augen um uns herum, wäre dies die erste Draußendusche in Nepal für uns geworden.

Die Kiste ist mittlerweile repariert. Wir trinken noch einen Chai mit den Jungs, und fragen nach den Straßenbedingungen. Wenn der Regen nachgelassen hat, geht’s in die Berge.

Grenzübergang Sunauli, nahe Lumbini

Unsere Nepal-Karte. Eingereist sind wir bei Lumbini.

Befindlichkeitsrunde

Der Weg war lang und intensiv, und wir sind froh über das Gefühl an einem Ort angekommen zu sein. Damit ist nicht speziell Goa gemeint, sondern vielmehr die Umstände die uns dazu einladen, hier länger zu bleiben. Teil der Familie, des Tribes zu sein. Der Tipiplatz und alles was dazu gehört, Gondwanaland genannt. Seit sagenhaften drei Wochen hat die Kiste sich keinen Meter fortbewegt und fängt bestimmt bald an Wurzeln zu schlagen. Es lässt sich nicht vermeiden, aber die Tage bekommen wieder eine gewisse Struktur. Die Gesichter sind immer häufiger die selben, man kennt sich in der Nachbarschaft, in den umliegenden Shops und Örtlichkeiten, die StrandverkäuferInnen lassen so langsam Gnade mit einem walten. Unsere neuesten Untermieter sind Ameisen, an einem Tag die richtig großen, dann mal wieder ganz kleine. Zu Fressen finden die immer was, in den Tiefen der Kiste. Die letzte Anschaffung vom Markt ist ein sehr nützliches Küchenutensil, eine Chapatipfanne, und so üben wir uns derzeit frühmorgendlich in der hohen Kunst des Chapati backens. Wenn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht. Bert liegt seit drei Tagen mit dicken Mandeln im Bett, will nicht essen, trinkt gequält den heißen Ingwertee mit Honig, und auch die Kiste will er nicht verlassen, trotz verlockendem Strand quasi vor der Haustür. Zitat: „So, jetzt ist Ruhe, ich will meine Schmerztablette genießen…!“. Einen Vorteil hat das ja doch: Er kriegt kaum was mit von den Neuankömmlingen. Vier gerade mal ein paar Wochen alte Welpen, jedes mit mindestens einer Wunde auf dem Rücken, voll mit Maden. Das Kleinste hat eine offene Wunde von bestimmt 10x10cm im Nacken, mit tiefen Gängen und Taschen, es sieht grausam aus und riecht fürchterlich. Wir haben bestimmt drei – vier Dutzend Maden rausgeholt, ich übertreibe nicht, und man fragt sich wie so ein kleines Wesen noch leben kann, aber er macht sich gut. Die Pflege der Kleinen ist zeitaufwändig und mental herausfordernd. Tierärzte stehen für solche ‚alltäglichen’ Fälle kaum zur Verfügung, vielleicht für eine telefonische Auskunft, und so ist man bei vielen Entscheidungen was Medikamente, Dosierung und Wundversorgung angeht, auf sich alleine gestellt. Nach so einem Tag bin ich richtig platt, und solcherlei Bilder sind kaum aus den nächtlichen Träumen fernzuhalten… Wahnsinn, was Rani hier leistet. Zwischendrin haben wir heute noch einen Kinesiologie-Workshop auf dem Tipiplatz gehostet, eine willkommene Abwechslung. Die beiden kleinen Katzen haben es leider nicht geschafft. In den darauf folgenden 24h wurden fünf weitere Welpen gebracht, die alle mittlerweile privat untergebracht sind, wenn auch nur vorübergehend zur Pflege. Eigentlich sollte dies ja ein tierfreier Blogeintrag werden… aber dafür nehmen die Tiere einen zu großen Raum in unserem Alltag hier ein! Zuguterletzt ging heute Morgen beim Ingwertee kochen auch unser Gasvorrat zu neige, bisher noch aus einer deutschen Gasflasche. Nach der heutigen Gasexplosion in einer Strandbar gerade mal 200 Meter von uns entfernt, ist Bert auch nicht all zu motiviert, noch dazu im derzeitigen Zustand, unser Gassystem auf die indischen Flaschen umzustellen. Ich hab da auch gerade keinen Kopf dafür. Dem Knall und der Druckwelle nach grenzt es fast an ein Wunder, dass es nur zu materiellem Schaden kam, die Küche ist komplett abgebrannt. Turbulente Tage! Wie geht es euch?

Neujahrsgrüße

Ihr Lieben, ich hoffe ihr seid gut im neuen Jahr angekommen! Wir hatten einen sehr entspannten Silvesterabend bei Rani und all dem Getier auf dem Tipiplatz. Eine Oase hier in Arambol, über die wir sehr froh sind. Und als ihr viereinhalb Stunden nach uns das neue Jahr begrüßt habt, lagen wir schon im Bett. Schlafen war jedoch eher eine mission impossible.… Seit Tagen schon hatte sich die Partylaune in den umliegenden Beach Shacks gesteigert, Techno und Goatrance-Beats bis in die MorgeRadhanstunden, die Kiste vibrierte im Takt mit. Dazu hat sich Radha, ein kleines Hundemädchen mit in der Kiste einquartiert, und wie das mit kleinen Lebewesen so ist, will sie zum einschlafen in ihrem Körbchen getätschelt werden und muss für die nächtliche und frühmorgendliche Notdurft die Treppen runter und wieder hoch getragen werden… Zwei Stunden vor Jahreswechsel haben wir uns nochmal über die Düne hinter dem Animal Shelter an den Strand gewagt, um uns kurzzeitig in den Silvesterwahn zu stürzen. Wenn ich es nicht gesehen hätte, hätte ich es nicht geglaubt, aber der sonst so gemütliche, kilometerlange Strand hatte sich innerhalb Stunden in ein lärmendes, zugemülltes Megaevent gewandelt. Ein bunter Mix der Nationen, und anders als sonst, viele, vor allem männliche, Inder. Mittlerweile ist wieder „Normalzustand“ eingekehrt. Das heißt, die Russ_Innen haben am Strand und in dem kleinen Örtchen Arambol wieder die absolute Mehrheit erlangt. Dennoch sind es wohl auf ganz Goa umgelegt Tausende weniger als die Jahre zuvor, klagen die Einheimischen mit ihren Guesthouses und Shops. Den Müll der Silvesternacht hat sich vermutlich das Meer geholt, all dies eingebettet in den Ballungsraum der Yoga- und Consciousnessbewegung. Unsere Tage hier verfliegen, und sind zu einem Großteil mit dem Alltag im Animal Shelter verknüpft. Die kleinen Neuankömmlinge, derzeit zwei Mini-Babykatzen, brauchen viel Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe. Babymilch vorbereiten, alle zwei Stunden Flasche geben (gar nicht so einfach, die Flasche ist eher unbeliebt), auch roher Fisch ist angesagt, mit Kokosöl einreiben gegen die Flöhe, ganz hartnäckige Fälle mit Hautparasiten Bossywossymüssen in den Medizineimer getaucht werden, Hustensaft verteilen, viel rumtragen. Der Wassertank für die Außendusche musste repariert werden, ein neues Klohäuschen ist in Planung. Der Zaun aus Bambusmatten ist wegen den freilaufenden Hausschweinfamilien, die aus der Nachbarschaft kommen, stark lädiert. Auch Fundraising gehört dazu, Geld wird dringend benötigt damit die Arbeit weiterlaufen kann, und so werden z.B. mit der Spendenbox am Strand die Touris angequatscht, Tombolatickets verkauft, Chartiy-Abende organisiert. Zwischendrin kommen alle möglichen Besucher und Freund_innen die mithelfen, Medikamentenspenden bringen, Workshops vorbereiten, oder einfach nur um gemütlich rumzuliegen und zu quatschen. Der Tipiplatz hatte, ursprünglich, eine andere Aufgabe, die es am Leben zu erhalten gilt: Ein heiliger Ort für tribal gatherings und Medizinzeremonien. So ist es am Montag wieder so weit, und auch hierfür gibt es noch einiges vorzubereiten. Gerade ist kein Gas in Arambol zu bekommen, auch unser Gasvorrat in der Kiste neigte sich dem Ende zu, und so wird auf der Feuerstelle gekocht. Der Ausblick für Januar: Erstmal in Arambol bleiben. Zwei Contact Improvisation Events, zwischendrin eine Woche Arbeit für mich in Israel, Visum für die Rückfahrt durch den Iran abholen. Und uns dann wieder dem Reisealltag weiter Richtung Süden widmen. Danke für die lieben Neujahrsgrüße! Haltet uns auf dem Laufenden, in Wort und Bild!

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